Sonntag, 16. November 2014

Teigbällchen mit Feta Dill Füllung oder auch: Peynirli Poğaça



Während alle fleißig für mein Blogevent backen und kochen kann ich ja nicht wirklich untätig zugucken. Deshalb habe ich mal auch die Ärmel hoch gekrempelt und Euch Peynirli Poğaça zubereitet. Das sind Teigbällchen, die mit einer Schafskäse-Dill-Mischung gefüllt sind. Sehr beliebt unter Türken - vor allem mit einem Gläschen türkischem Tee ein Genuss. Ich mag sie ganz besonders gern, weil man wirklich sehr viele Variationen damit zaubern kann indem man einfach die Füllung ändert. Beliebt sind zum Beispiel auch eine würzige Hackfleischfüllung,  Kartoffel-Chili-Füllung oder auch Sucuk-Käse-Füllung. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. 

Soweit so gut, aber jetzt muss ich Euch was beichten. Ich hatte Poğaça noch nie selbst gemacht, sondern immer bei Mutti gegessen oder eben auswärts, wenn wir irgendwo zu Besuch waren. Dies war also mein erstes Mal. Ich hatte einfach immer Angst, dass ich es komplett versemmel und die ganze Mühe umsonst war, weil was man über die türkische Küche wissen sollte ist: türkische Rezepte kennen keine Maßangaben. Türkische Frauen sind allesamt Freestyler - sehr zu meinem eigenen Leidwesen, weil ich Weichei und Messbecher-Benutzer immer mit Angaben wie "soviel Mehl wie nötig einkneten" oder "so lange backen bis sie leicht gebräunt aber nicht zu dunkel werden" nicht soviel anfangen kann. Man muss sich stets auf sein Gefühl und seine Sinne verlassen und wenn man keine Erfahrung hat, dann guckt man auch schon mal dumm aus der Wäsche. So wie ich.^^ Also habe ich kurzerhand meine Mutter angerufen, um mir ein gelingsicheres Rezept aufzuschreiben.

Mutti: Alloooo?
Ich: Hallo, Mama Du ich bin grad in der Küche und möchte 
Poğaça gerne endlich mal selbst machen. Kannst Du mir nochmal das Rezept geben, bitte?
Mutti: Ahsooo, ganz einfach. Nehmen Mehl, Joghurt, Öl, Salz, Backpulver, Eiweiß machen mix, dann Du kneten schöne weiche Teig. Und dann füllen Du mit was Du wollen.
Ich: ähhm ja, das weiß ich auch, aber wieviel Mehl, wieviel vom Joghurt usw., weißt Du ich brauche genaue Angaben.
Mutti: Angaben? Du Augenmaß machen. Soviel Mehl rein bis Teig wird weich wie Ohrlappen.
Ich: Ähh, das heißt Ohrläppchen, Mama! Aber was ist denn das für ne Angabe bitte?
Mutti: Du nix haben Gefühl in Hand? 
Ich: jaaaaahhaaa, okay ich habe schon verstanden. Danke! Warst mir ja ne große Hilfe!
Mutti: Ja, als ich Dir zeigen damals wollen in Küche wie man wird gut Du immer Aysche guck in die Luft schipielen. Jetzt nix können!
Ich: Aysche guck in die Luft spielen?
Mutti: Hahahaha, ich Wortschipiel gemacht! Du bist nix Hans. Hahahaha!
Ich: Stimmt, ich bin kein Hans, eher ein Horst - also so ein Vollhorst trifft es eigentlich am besten..
Mutti: hää?
Ich: ah nix, alles gut. Dat Aysche geht mal jetzt Ohrlappen fühlen! Tschöö!
Nach diesem sehr erhellenden Gespräch habe ich dann also meinen ganzen Mut gefasst, mich heldenhaft durchgekämpft und alles nach Augenmaß zusammen geknetet und zwischendrin immer mal wieder meine Ohrläppchen schön mit klebrigem Teig beschmiert. Irgendwann wurde ich dessen müde Löffelweise Mehl einzukneten und habe einfach beschlossen, dass der Teig jetzt genau richtig ist. Zum Glück habe ich alles akribisch aufgeschrieben und alles zum Schluss nochmal nachgewogen, damit Ihr nicht die selben Strapazen auf Euch nehmen müsst und vor allem, damit Ihr erst gar nicht in die Verlegenheit kommt, wenn es an der Tür klingelt, Eurem Nachbar die Tür mit halb angetrocknetem Teig an den Ohrläppchen zu öffnen und ihn verstört wieder nach Hause zu schicken. Und warum erzähl ich Euch das alles? Ich wollte nur mal klar stellen, was ich für Mühen auf  mich genommen habe - nur für Euch. Ich bitte dies bei Euren Kommentaren später zu diesem Posting in Euren Dankesreden zu berücksichtigen!!^^


So jetzt aber das Rezept für ca. 20 Stk.: 

350gr Mehl
250gr Natur-Joghurt
100ml Öl, geschmacksneutral
1 Ei (Eiweiß für den Teig, Eigelb + 1 Schluck Milch zum Bestreichen)
1 Päckchen Backpulver
1 TL Salz
150gr Feta
1/2 Bund frischen Dill
Sesam zum Bestreuen

Zusätzlich:
1 TL Öl in einer kleinen Schüssel.

























Zuerst Feta mit Hilfe einer Gabel zerkleinern, Dill hacken und mit dem Feta vermengen, beiseite stellen. In einer separaten Schüssel den Joghurt, das Eiweiß, das Öl und Salz ordentlich vermischen. Zunächst nur 300gr vom Mehl und das Backpulver hinzufügen und zu einem Teig kneten. Wenn der Teig noch sehr klebrig ist, dann den Rest vom Mehl Löffelweise hinzugeben und durchkneten. Der Teig sollte geschmeidig und weich sein, aber nicht mehr an den Fingern kleben. Wenn Ihr die gewünschte Konsistenz erreicht habt formt Pingpong-Ball große Kügelchen aus dem Teig. Bei mir sind es insgesamt 20 Stk. geworden. Gebt 1 TL Öl in eine kleine Schüssel. Belegt ein Backblech mit Backpapier. Den Ofen braucht Ihr ausnahmsweise nicht vorheizen. Nehmt ein Brettchen, legt eine Kugel drauf, tunkt Eure Fingerspitzen ganz leicht ins Öl und zieht mit den Fingern die Kugel zu einem kleinen runden Teigfladen auseinander. Füllt in die Mitte 1TL von der Füllung, verschließt den Teig wieder zu einer runden Kugel und legt sie auf das Backblech. Reiht die Kügelchen nicht zu  nah einander, da sie später im Ofen noch aufgehen. Wenn Ihr fertig seid bepinselt Ihr die Teigröllchen noch mit dem  Eigelb-Milch-Gemisch und streut Sesam drauf. Schiebt das Backblech in den kalten (!) Ofen und backt das ganze bei 175°C bei Ober-/Unterhitze ca. 20-25 Minuten.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Nachmachen und einen schönen Rest-Sonntag!

Bleibt mir hungrig!
Eure Sibel

Kommentare :

  1. Hast Du noch welche übrig? Ich könnte in 1,5 Stunden da sein...

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  2. GRÖÖÖÖÖÖÖHL!!!

    ...so lange ich dann nächste Woche nicht Deine Ohrläppchen befühlen muss, wenn wir was zusammen kochen, ist alles gut ;)

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  3. Grooooooßartig wie immer, liebe Sibel ♡ Das mit den Ohrläppchen hab ich so auch nicht gehört *lach
    Aber das "nach Maß" hat mich bei meiner Omi auch immer verzweifeln lassen... Die hat trotz schwerer Gartenarbeit immer noch das Fingerspitzengefühl fürs Kochen und Backen gehabt. Beneidenswert.
    So liebe Ay... öhrm.. Sibel... Rezept hab ich mir hinter die Ohren geschrieben,
    dir ebenfalls noch einen gemütlichen Sonntag.
    Kussi ♡

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  4. Für meine Ohrläppchenweichheit muss vielleicht ein bisschen mehr Mehl rein. Symapathisch, die türkische Küche! :)) Deine Bällchen sind auf jeden Fall sehr schön geworden. Und deine Fotos sind genial, dieser Holzuntergrund, die goldene Gefässe, perfekt!
    Lg Lara

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  5. Ich lieg schon wieder vor Lachen am Boden :-) Du bist herrlich liebe Sibel :-) Deine Teigbällchen sind toll und voll mein Ding:-)
    Filakia
    Sia

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  6. Sehen sehr lecker aus! Ich kenn die (als Deutsche) auch, allerdings machen wir die immer ohne Füllung und essen dann irgendwas dazu. Meine Mutter hatte das Rezept mal irgendwo gefunden und dort stand dann auch, dass der Teig sich wie ein Ohrläppchen anfühlen solle :D

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  7. Hallo Sibel

    Ich finde deinen Smalltalk mit deiner Mutti zum Kugeln.
    So ähnlich geht es mir mit meiner Mutter beim Thema Grießknödel.
    Das geht bei ihr auch nur mit Gefühl.
    Anscheinend habe ich immer zu viel oder zu wenig Gefühl, da meine Grießknödel entweder in betonähnlichen Teilen enden oder es gibt eine Grießsuppe.

    Ich bin durch Zufall auf deine Seite gekommen und freue mich auf weitere heitere Dialoge mit Mutti und auf gute (türkische) Rezepte.

    Gruß
    Elvira

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